Das Patentrecht für Arzneimittel

23.02.2012

Auf seiner Webseite diskutiert Medizynicus den Sinn oder Unsinn von Patentschutz für Arzneimittel (AM) aus Anlass eines in Indien anstehenden Prozesses der Firma Novartis mit Verweis auf die Position der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“. In seinem Vortrag weist Terence Kealey mit recht darauf hin, dass das Patentrecht aus Sicht der Gesellschaft nicht nur keinen Sinn macht, sondern sogar schädlich für die weitere Entwicklung ist. Patente auf Ideen blockieren den Fortschritt, so seine These, weil sie

  1. Patentinhaber verleiten sich gemütlich auf den Früchten ihrer Arbeit auszuruhen und
  2. Wettbewerbspartner davon abhalten weitere Ideen einzubringen.

Folgerichtig konnte Terence Kealey auch belegen, dass kein Wirtschaftszweig von einer Patentierung wirklich profitiert. Ausgenommen AM-Patente.

Warum sind Arzneimitteln (AM) anderes? Nun bei AM ist nicht die Entwicklung das wirkliche Problem, sondern die Zulassung. Die Zulassung aber ist eine Aufgabe des Staates. Dieser will seine Bürger schützen und deshalb qualitativ gute AM garantieren. Deshalb müssen AM sehr genau geprüft werden, bevor sie auf den Markt kommen. Doch den Löwenanteil dieser Prüfung zahlt nicht etwa der Staat sondern die Entwicklungs-Firma. Im Gegenzug gewährt der Staat dem AM-Vertreiber das Recht sich durch überhöhte AM Kosten das Geld von den Krankenkassen oder Versicherten wieder zurück zuholen. Allerdings gewährt der Staat dieses Recht nur dort, wo er die entsprechende Macht dazu hat. Nicht in den unabhängigen Entwicklungsländern.

Würden man die Kosten umstrukturieren also auch den Staat die Kosten für die Sicherheit seiner Bürger voll übernehmen lassen, so würde folgendes geschehen.

  1. Die AM würden deutlich billiger werden (und damit die Ausgaben des Gesundheitssystems dramatisch sinken).
  2. Die AM würden zu nahezu gleichen Preisen überall auf der Welt angeboten.
  3. Der Staat würde wahrscheinlich die Steuern erhöhen ;-(
  4. Die AM würden unabhängiger geprüft. (Die Zulassungsstudien der AM-Konzerne sind wiederholt als zu einseitig kritisiert worden.)
  5. Und zu guter Letzt würde deutlicher werden, dass die billigen Generica in den Entwicklungsländern eigentlich eine Art Entwicklungshilfe aller Bürger in den reichen Ländern ist. Das Entwicklungsland kann damit selbst auf die teure Qualitätsprüfung der AM verzichten.

Update (23.2.12): Und gerade werde ich bei einer Diskussion am Arbeitsplatz darauf hingewiesen, dass dies sogar die Korruption im Gesundheitswesen vermindern würde. Zwar könnte man einwenden, der Pharmaentwickler würde doch sofort die staatlichen Zulassungsstudien ‘sponsern’. Aber dafür benötigt er Geld, möglicherweise viel Geld, und dieses Geld muss durch den Verkauf wieder hereinkommen. Aber wie soll das geschehen, wenn sich auch gleich Generikageschäften auf den zugelassenen Wirkstoff stürzen und diesen Nachbauen können. Den einzigen Vorteil den die Entwicklerfirma genießt ist dann der Zeitvorsprung und den gilt es effektiv zu nutzen. Eine Korruption der Zulassungsämter macht dann nur noch wenig Sinn.

Ganz anders heute, wo das Zugeständnis utopischer AM-Preise sehr viel Geld im unkontrollierten Verwaltungsnirvana versickern lässt.

Update (24.2.12): Heute fällt mir zufällig am Kiosk eine Sonderausgabe des Stern in die Hände wo über AM-Testung in Indien berichtet wird. Dieser Link hier ist schon etwas älter geht aber in die gleiche Richtung. Ich finde wenn die dortige laxe Handhabung der Patientensicherheit die Dritte Welt zu einem El Dorado für AM-Testung werden lässt, so ist es nur recht und billig, dass diese Länder auch von den mit ihren Menschen gemachten Entwicklungen angemessen partizipieren. Aber wie oben diskutiert, das liegt weniger in der Verantwortung der Pharmakonzerne sondern vielmehr der Staaten selbst, die entweder ihre Bürger schützen oder auf dem Weltmarkt als Versuchskaninchen feilbieten.

Zitat zu Herrschern

23.02.2012

Es gibt nur schlechte Könige, entweder Tyrannen oder Versager.

10 Gründe für das Bundespräsidentenspektakel

22.02.2012

Beim Medien-Spektakel um den alten und den designierten Bundespräsidenten gewinnt man den Eindruck, dass hier bewusst von brisanten politischen Themen abgelenkt werden soll. Da werden nebensächliche oder gar belanglose Details breitgewalzt, als würde unsere Zukunft davon abhängen. Stattdessen verdrängt man die wirklich wichtigen politischen Ereignisse. Hier meine Top 10 der wirklich aktuellen Probleme.

 

  1. Der Krieg in Afghanistan.
  2. Das Vorantrieben der Überwachung insbesondere der Vorratsdatenspeicherung.
  3. Die Umverteilung gewaltiger Summen aus den Steuereinnahmen in die Profite der Banken.
  4. Die damit vorprogrammierte Verarmung weiter Teile der Bevölkerung. Die bisher in den demokratischen Staaten prosperierende Mittelschicht wird abgeschafft.
  5. Die Entdemokratisierung. Wichtige politische Entscheidungen werden immer weniger durch vom Volk gewählte Vertreter getroffen, sondern in Hinterzimmern vorentschieden.
  6. So auch die Aushöhlung der bürgerlichen Freiheiten, wie zum Beispiel der Kommunikationsfreiheit durch ACTA.
  7. Die zunehmende Rechtsunsicherheit. Nicht nur der hier wiederholt dargestellte Arzneimitteleregress ist ein Beweis für nachträglich und rückwirkend geänderte Gesetze und Regelungen. So etwas kommt häufig auch in der Steuergesetzgebung vor, wenn durch spätere Gerichtsurteile jahrelange Rechtspraxis abgeändert und bei der nächsten Betriebsprüfung angewendet wird. Nicht zuletzt gehören zu solcher Rechtspraxis auch eher alltägliche Dinge, wie Benutzung von Dienstwagen, die man erst gestattet und dann kriminalisiert.
  8. Das Versagen der Gesundheitspolitik. (Hier oft illustriert.)
  9. Das Versagen der Wirtschaftspolitik. Was man an einem Zurückfallen in allen wichtigen Wirtschaftsparametern und dem abnehmenden Wohlstand des Volkes festmachen kann.
  10. Das Versagen von Europa.

Zwei scheinbar gegensätzliche Meldungen beweisen …

21.02.2012

… die Unfähigkeit des feudalistischen deutschen Gesundheitswesens.

  1. In einem Ort fehlt ein Kinderarzt und trotz vieler Bemühungen ist es unmöglich einen dort hin zu bekommen. Der Link dazu ist hier (http://www.abendblatt.de/region/pinneberg/article2191471/Kinderaerzte-ueberlastet-Kurze-Beine-kurze-Wege.html).

Fazit: Wenn es dem Feudalherren (KV) nicht genehm ist wird einfach kein neuer Leibeigener auf dem beherrschten Land erlaubt ganz egal wie der Bedarf aussieht.

  1. Nun will man die Wahlmöglichkeit der Medizinstudenten im PJ einschränken, indem man alle zur Allgemeinmedizin verpflichtet. (So etwas gab es nicht einmal in der DDR) Der Link hierzu findet sich hier (http://bvmd.de/fileadmin/SCOHP/Stellungnahme_Pflichttertial_20110212.pdf)

Fazit: Nicht etwa entsprechende Anreize zu schaffen kommt den Feudalherren in den Sinn. Stattdessen werden noch mehr Fronarbeiter verpflichtet. Offenbar sind Medizinstudenten besserer Ersatz für den Landarztmangel als Schwester Agnes. Sie sind qualifizierter und natürlich auch viel billiger.

Auf der einen Seite Arbeitsverbot auf der anderen Seite Arbeitsdienst, so erfolgte auch die Arbeitsorganisation im Feudalismus, und hat zum Scheitern dieser Gesellschaftsform geführt. Das Versagen deutscher Gesundheitspolitik ist offensichtlich. Man kann kaum noch schön reden nur noch davon ablenken. Mit einem Bundespräsitendenspektakel zB.

Das Video zum Thema Freiheit

19.02.2012

Dieses Video möchte ich unbedingt auch auf meiner Seite verbreiten.

Auch wenn hier aufgezeigt wird, dass die Entwicklung menschlicher Gesellschaft von Sklaverei über Leibeigenschaft hin zur Demokratie erfolgte, so ist es in der Deutschen Medizin in den letzten Jahren leider rückwärts gegangen, von der Demokratie zur Leibeigenschaft. Und während das Video sehr schön erklärt, dass mit mehr Freiheit die Gesellschaft auch leistungsfähiger wird, so zeigt das Beispiel des Deutschen Gesundheitswesens, dass mit dem Vernichten der Freiheit keinesfalls die Leistungsfähigkeit erhalten werden kann. Lasst euch das gesagt sein, die ihr das alles zu verantworten habt. Das Experiment ist fehlgeschlagen. Gott sei Dank.

Warum musste Wulff nun wirklich gehen?

18.02.2012

Ist das ein Zufall, dass besonders junge Männer mit attraktiven Frauen aus der Regierung fliegen? fragte ich mich gestern nach der Tagesschau, als ich das adrette Paar von der Bühne treten sah. Hatten etwa die attraktiven Männer Angie umschmeichelt, um einen guten Posten zu bekommen? Und hatten dann deren ebenso attraktive Frauen damit begonnen Angie die Show als First Lady zu stehlen?

Geschichtsschreibung ist immer Ausdruck der Ideologie, die sie bedient. Heute behauptet man, es wären Wulffs Verfehlungen gewesen, die ihn aus dem Amt geworfen haben. Ein paar Skandale später und der ganze Trubel ist vergessen, und in ein paar Jahren sieht die Geschichtsschreibung es wieder ganz anders. Vielleicht greift man dann sogar auf meine o.g. Hypothese zurück. Ja aber nur, wenn es bis dahin gelingt, die unangreifbare Immunität abzuschaffen, die für alte Damen gilt, und man eine Schreckschraube auch öffentlich als solche bezeichnen darf. (Ein Mann an Angies Stelle hätte sich schwer hüten müssen, auch nur den Eindruck eines solchen Sexismus zu erwecken.)

Nun auch wenn es vielleicht einmal möglich wird, über weiblichen Sexismus öffentlich zu debattieren, dass dies die eigentliche Ursache für Wulffs Abtritt war, will ich einfach nicht glauben. Vielleicht steckt noch mehr dahinter. Vielleicht hat sich Wulff nur nicht mit den richtigen Leuten umgeben. Alles nur Mittestländler. Zu kleine Fische.


Siehe auch: Mit der Affäre Wulff stirbt eine Illusion – endlich – hoffentlich


Passend zum Thema und als Beispiel wie unsere Politiker ticken fand ich auch ein Stellungnahme eines Bundetagsabgeordneten unter wordpress, die ich hier kommentieren möchte. Wohl gemerkt die Überschrift seines Posts lautete ‘Meine Meinung zum Rücktritt von Christian Wulff’ da darf man doch schon mal etwas Kontroverses vermuten oder?

Bis hierhin habe ich gelesen. Dann hat’s mir gereicht.

Ich selbst habe dazu ehrlich gesagt keine abschließende Meinung.

Sicher man kann sich noch später entscheiden. **Kopfnicken**
Und es wird schon wieder ein strafferes Windchen wehen, dass man genau weiß, wie man sein Mäntelchen zu drehen hat. **Trösterchen**

Wann lernt ihr Politiker endlich ein eigenes Rückgrat zu beweisen?
Aber Du besitzt wenigstens schon mal ein eigenen Blog, bist also entwicklungsfähig :-)

Das Für und Wider der Transplantationsmedizin

17.02.2012

Laut einem Bericht von 3Sat werden bei der Gewinnung von Organspendern manipulative Techniken eingesetzt, um die Angehörigen dazu zu überreden, die noch funktionsfähigen Organe eines Sterbenden für die Transplantation frei zu geben. Hierauf mag man sofort einwenden, was benötigt der Sterbende diese Organe noch. Wenn man das Schicksal dieses Verunglückten nicht mehr abwenden kann, so mögen doch wenigstens seine Organe helfen, das Schicksal eines anderen Kranken zu mildern. Manche mögen deshalb das Recht der Angehörigen hierüber zu entscheiden überhaupt in Frage stellen und favorisieren die sogenannte Widerspruchsregelung. Aber so simpel  ist das in der Praxis gar nicht.

In dem hier skizzierten Fall mit einem Organspender der medizinisch nicht mehr zu retten ist und einem Organempfänger der lebensbedrohlich erkrankt ist, mag die Entscheidung leicht fallen. Aber die medizinische Wirklichkeit ist oft nicht so einfach. Es gibt fließende Übergänge. So auf der Spenderseite, wie auch auf der Empfängerseite.

  • Es ist bekannt dass viele schwer geschädigte Patienten zur Organspende herangezogen werden noch jahrelang ohne Bewusstsein künstlich am Leben gehalten werden könnten. Jeder mag für sich selbst entscheiden, für wie lebenswert ein solches Leben noch betrachtet werden kann. Ich weiß zumindest, dass für einige Hinterbliebene ein solcher langer Abschied leichter zu bewältigen ist, insbesondere dann, wenn es sich um einen jungen geliebten Menschen handelt.
  • Aber auch von der Empfängerseite ist die Grenze, wann ein Transplantationsorgan wirklich benötigt wird, unscharf anzugeben. Mit den modernen Medikamenten kann man recht kompensationslos transplantieren. Warum also nicht einen Patienten mit Mucoviscidose beispielsweise schon eine Lunge transplantieren, wenn die ersten Symptome auftreten, also lange bevor ein schwerer Herzschaden auftritt. Oder warum nicht gleich einem jungen Diabetiker ein Pankreas transplatieren, damit im alle diabetischen Spätkomplikationen wie Erblindung und Nierenversagen erspart bleiben.

Mit der Organtransplantation verschärft sich ein schwerer nicht überbrückbarer Widerspruch zwischen dem Interesse des Organspenders auf ein gesundes Weiterleben und dem genauso berechtigten Interesse des potentiellen Organempfängers, der nie völlig aufzulösen ist.

Und das hat auch weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen. Nämlich z.B. die Frage wohin Forschungsgelder geleitet werden. Sollte man daran forschen, wie man ein totes Hirn eines ansonsten gesunden Menschen wiederbelebt und damit die Zahl potentieller Organspender vermindern, oder sollte man eher alles daran setzen zu erforschen, wie man aus solchen Menschen sicher und gut haltbar viele Organe gewinnt.

Die Möglichkeit der Organtransplantation entwickelt Begehrlichkeiten, die nie ausreichend befriedigt werden können. Spenderorgane werden immer  knapp sein und mit dem weiteren Fortschritt der Medizin sogar noch knapper werden. Auch deshalb erlangt es eine gesellschaftliche Dimension. Die Gesellschaft ist gezwungen per Gesetz zu definieren, welche Organentnahmen legitim und welche kriminell sind. Sollte z.B. wie Menschenrechtsorganisationen aus China berichten, den Verbrechern in den Gefängnissen die Organe zur Transplantation entnommen werden, und ab wann wird Organhandel kriminalisiert. Auch hier sind die Grenzen fließend. Ab wann ist ein Verbrecher dazu verdammt seine Organe herzugeben oder ist das sich gegenseitig auch mal mit einem Organ aushelfen unter Freunden schon als Organhandel anzusehen.

Ich denke eine wirklich humane Lösung wäre die Entwicklung miniaturisierter, entweder gentechnisch oder nanotechnologisch hergestellter Organe. Diese wären wie zum Beispiel Herzschrittmacher jederzeit in ausreichender Stückzahl herstellbar. Das wäre dann aber auch das Ende der Transplantationsmedizin. Ein Ende um das es mir nicht bange wäre.

Was wenn der Patient die Gesellschaft ist

10.02.2012

Ich bin Arzt, deshalb fällt mir folgender Vergleich zwischen Patient und Gesellschaft ein. Nehmen wir einen Patienten mit einem Tumor im Bauch oder einem schweren Knochenbruch. Da muss ein Chirurg ran. Es muss operieren, und das bedeutet er muss die Haut aufschneiden, sägen, hämmern, bohren. All das würde unsagbare Schmerzen verursachen und der Patient würde vom OP-Tisch springen und wild schreiend fordern, man möge sofort aufhören. Aber der Patient kann das nicht, denn er ist im Tiefschlaf einer Narkose. Und das ist auch gut so, denn der Abbruch der Operation würde nicht nur den erwarteten Heilerfolg gefährden, sondern auch den Patienten zusätzlich schädigen.

Nicht anders ist es in einer Gesellschaft. Wollte jemand tatsächlich versuchen tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen durchzusetzen, von Parasiten und bösartigen Tumoren zu befreien, so würde schon beim ersten Einschnitt der Patient, das Volk in diesem Falle, aufschreien und aufhören brüllen.

Was folgt daraus:

  1. Ohne effektiver Narkose ist keine Operation am Patienten Gesellschaft möglich.
  2. Wenn wir eine Narkose für die Gesellschaft haben (und es gibt bereits sicher noch verbesserungswürdige Ansätze für solche Instrumente), wer leitet die Narkose ein, wer leitet sie aus und vor allem wer überwacht einen möglichen Missbrauch.
  3. Wer beurteilt die Indikation und den Erfolg der Operation.

Eine längst überfällige Operation am Deutschen Gesundheitssystem wäre die Beseitigung der KV, die Zusammenlegung der Krankenkassen in eine einzige parlamentarisch oder sonst wie demokratisch kontrollierte Struktur und die Festlegung eines Aufgabenkatalogs für diese Finanzierungsinstitution, damit jeder weiß, welche Dinge abgegolten werden können, und für welche man sich ggf. zusätzlich privat versichern muss.

Eine solche Operation wird sehr schmerzlich. Viele gutbezahlte Mitarbeiter in der KVen und Krankenkassen würden aufschreien und Widerstand würde auch aus vielen Gesundheitseinrichtungen kommen, aus denen zumindest die lukrative Profite mit keinesfalls medizinisch gesicherten Maßnahmen erzielen.

Ich befürchte die notwendige Operation wird auf Sankt Nimmerlein verschoben.

Die FDP ist nun die 0% Partei

09.02.2012

Die FDP ist bei einer Forsa Umfrage, welche Partei die Probleme des Landes lösen kann, auf 0% gelandet. Bei so Blogs wie hier löste das eitle Schadenfreude aus. Für mich ist das kein Grund zur Freude. Das Forsa Ergebnis stimmt mich zutiefst traurig. Es ist auch höchst beunruhigend. Und das nicht etwa weil die FDP bei 0% gelandet ist. Nein das ist schon ok. Viel schlimmer ist, dass es noch so viele Trottel in diesem Lande gibt, die überhaupt irgend einer Partei zutrauen Probleme zu lösen.

Parteien streben doch nicht danach Probleme zu lösen. Im Gegenteil sie beziehen ihre Existenzberechtigung doch gerade aus den ungelösten Problemen. Nehmen wir ein Beispiel. Eine Partei besitzt ihr Hauptwählerpotential unter den Arbeitslosen, weil sie öffentlich erklärt, etwas gegen die Arbeitslosigkeit unternehmen zu wollen. Würde diese Partei, dann an der Macht, tatsächlich die Arbeitslosigkeit beseitigen, hätte sie doch prompt ihre Wähler verloren. Wer’s nicht glaubt der sei erinnert, dass genau das vor einigen Jahren in Deutschland passiert ist. Die SPD hat mit der Agenda 2010 zwar einen bedeutenden Schritt in Reduktion der Arbeitslosigkeit getan (Wir profitieren heute noch davon.) Aber gedankt hat es ihr keiner, denn sie ist kläglich abgewählt worden. Auch heute scheut die SPD sich mit diesem Erfolg zu rühmen, aus Angst weitere Wähler zu verprellen.

Wenn das Ziel einer Partei nicht die Beseitigung von Problemen ist, was ist es dann? Nun die Ziele sind doch ganz trivial. Eine Partei möchte:

  1. wiedergewählt werden, und
  2. Ihre Macht ausdehnen.

Somit werden wir bei jeder Partei erleben, dass keine Maßnahmen umgesetzt werden, die eine Wiederwahl gefährden könnten und andererseits werden Maßnahmen zur Festigung von Macht und Einfluss durchgesetzt: Steuern erhöht, immer tiefer in die Regulation aller Bereiche der Gesellschaft eingegriffen, eine eigene Lobbypolitik betrieben, und die Rechte und Freiheiten der Bürger beschnitten.

Wie armselig sind doch in Anbetracht dessen all diejenigen die noch auf eine Erlösung durch die Politiker hoffen.
“… uns von dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun.”

Was verdienen die Bosse der Krankenkassen?

28.01.2012

Gottseidank müssen die Krankenkassen das noch offen legen. Eine Übersicht findet sich hier.

http://www.mtd.de/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=216:verguetungen-der

Was diese Übersicht leider nicht enthält sind zusätzliche als Spesen deklarierte steuerfreie Zuschüsse. Und diese sind zum Teil recht üppig. So habe ich von einem kleineren Mitarbeiter erfahren, dass er sich ca. 100km von einer Stadt in die Andere zu einer Kommissionssitzung mit dem Taxi fahren lässt. Hin- und Rückfahrt einschließlich der Wartezeit wird locker mit den gezahlten Spesen abgedeckt. Damit gehören die Krankenkassenbosse zu den best bezahltesten Beschäftigten im Gesundheitswesen.

Nun möge man mir bitte nicht vorwerfen hier eine Neid-Debatte anzufachen. Ich bin schon der Meinung, dass jeder nach seinen Leistungen gut bezahlt werden sollte. Aber welche Leistungen können den Krankenkassenbosse vorweisen? Weder profunde Kenntnisse in der Medizin, noch eine clevere Führung des inzwischen ruinösen Gesundheitswesens. Und das ist auch kein Wunder, denn  diese Gehälter sind nicht in einem Wettbewerb um beste Leistungen entstanden.  Das Geld, was sie verwalten, ist zwangseingetrieben. Den gut bezahlten Posten eines Krankenkassenbosses könnte jeder ausführen, der genug Courage hat seine Kollegen mit kräftiger Ellenbogenarbeit aus dem Weg zu stoßen. Wir zahlen also diese hohen Vergütungen für eine Auswahl von besonders brutalen, rücksichtslosen und arroganten Zeitgenossen. Ist diese Vorbildwirkung gut für unsere Gesellschaft?


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