Von der Judenhetze zur Arzthetze die Tragik Deutscher Gesellschaft

Ich erinnere mich an mein Großvater. Er erzählte mir gern von seiner Jugend, und ich hört ihm interessiert zu. Einmal berichtete er, wie er heimlich einen jüdischen Arzt besuchte. Er hatte sich bei der Arbeit am Treibriemen den Unterarm verletzt und die Wunde wollte nicht heilen. Wahrscheinlich waren auch in der Tiefe viele Muskelschichten zerquetscht. Zum Glück hatte die Behandlung Erfolg, und alles  heilte folgenlos aus, und mein Großvater konnte wieder Musik spielen, und mit seiner Trompete von Dorffest zu Dorffest ziehen, bis ihn die Wehrmacht holte.

Dass mich mein Opa noch auf den Schoß nehmen und Geschichten erzählen konnte, verdanke ich seinem relativ sicheren Job als Musiker während des Krieges, und letztendlich auch jenem jüdischen Arzt. Obwohl zu dieser zeit Juden schon von allen Seiten diffamiert und öffentlich gemieden wurden, der besagte Arzt auch schon seinen Beruf hatte aufgeben müssen, klopfte mein Großvater eines abends verzweifelt an seine Tür und bat um Hilfe, die er dann auch prompt bekam. Die Wunde heilte bei dem jungen Mann schnell nachdem der Eiter und das alte Blut aus der Wunde geräumt waren. Nur von diesem Besuch hatte mein Großvater niemandem etwas erzählt. Nicht seinen Kollegen und Freunden nicht einmal seiner Familie. Zu sehr hatte er sich wohl für diesen „Verrat“ geschämt.

Auch mir wolle er anfänglich nichts davon erzählen. Erst als ich ihn nervte mir doch endlich mal was anderes zu erzählen, nicht die alten Geschichten von Krieg und Gefangenschaft, rückte er mit dieser traurigen Story raus. Und traurig war sie tatsächlich, denn bald darauf wurde auch dieser schon recht betagte Arzt abtransportiert und die kleine Stadt judenfrei erklärt.

Ich frage mich ernsthaft oft es noch ein anderes Land auf dieser Welt gibt, dem es wiederholt gelingt die respektabelsten und geachtetsten Menschen der Gesellschaft öffentlich zu hetzen – Juden damals im Faschismus wie Ärzte in der heutigen Gesellschaft. Juden damals vor ihrer systematischen Ausrottung hier in Deutschland waren nicht nur Ärzte, es waren Wissenschaftler, Künstler, Lehrer, ja Unternehmer, die vielen Menschen Arbeitsplätze schufen. Sie waren eine wichtige Stütze der Gesellschaft. Nicht anders die heute in Deutschland diffamierten und gehetzten Ärzte. Es sind diejenigen die oft weit über den gewerkschaftlichen Stundensatz oft bis zu völligen physischen Erschöpfung arbeiten um menschliches Leid zu mindern. Und sie werden deshalb auch von den meisten Menschen geachtet, angehimmelt zum Teil sogar vergöttert.

Im schroffen Gegensatz zu der öffentlichen Propaganda. Die zentral gesteuerten großen Medien geben genau das umgekehrte Bild. Sollte man diesen Medien folgen, so wären Ärzte die verabscheuungswürdigste Berufsgruppe überhaupt. Das ist keine kluge Politik. Das kann nicht gut gehen. Eine Gesellschaft die ihre intellektuelle Elite, die Menschen, die ihre ethisch moralische moralische Stütze bilden diskriminiert und eliminiert ist zum scheitern verurteilt. Damals wie heute. Nehmen Sie mich beim Wort. Jedes System, was sich so verhalten hat ist eingegangen.

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Eine Antwort to “Von der Judenhetze zur Arzthetze die Tragik Deutscher Gesellschaft”

  1. Kreativarzt Says:

    Eine wirklich schöne Geschichte. Sie zeigt die unglaubliche Ignoranz der Masse gegenüber dem Schiksal einer Untergruppe. Das stille Verharren und Schweigen, selbst oder grade beim Gewahrwerden eklatanten Unrechtes.
    Der Vergleich jedweder diskriminierten Gruppe mit den Juden
    im 3. Reich ist aber in D politisch so unkorrekt, dass jeder, der den Vergleich in grösserer Öffentlichkeit gebraucht, dies nur einmal tut. Der erfloglose Versuch, die gute Absicht und die eigene Kenntnis über den Holocaust zu beteuern ist so anstrengend, dass dieses qualitativ, aber eben nicht quantitativ einsetzbare Beispiel besser unterbleibt.
    Ich gebe dem Tenor Deiner Klage in jedem Punkt recht. Es bleibt jedoch vergeblich, sich im leckgeschlagenen Hausarzt-Boot über den Beschuss mit dem Wasserwerfer des heranschwimmenden Kassendampfers zu beschweren. Jede Diskussion mit den andern im Boot sitzenden Kassenarztkollegen erstirbt, wenn wieder mit jedem verfügbaren Urinbecher das Boot gelenzt werden muss. Vor lauter Überlebenskampf kommt keiner auf die richtige Lösung.

    Die Kassen schiessen mit ihrer „Hauptabteilung Desinformation“ in regelmässigen Abständen Blendgranaten auf die Hausärzte. Und die doofen Blödzeitungsleser grunzen im Takt des medialen Klagetangos über die Verfehlungen jener da oben…. Das ist ein asymmetrischer Konflikt. Die Kassen und ihre perfiden Tintespritzer bringen Pseudozahlen mit angeblich horrenden Mengen von Abrechnungsbetrug oder eben Bestechlichkeit daher. Die Ärzte verteidigen sich und schon ist der Ruf der Doktores ruiniert.
    Es ist ein auswegloses Spiel. Die unglaubliche Leistung der Ärzte wird in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Wir trösten und reanimieren, arbeiten das 1,5 Fache an Zeit der Durchschnittsmichl und werden für das jämmerliche Entgelt für diese Schwerstarbeit noch der Abzocke gezeit.
    Das Syste geht aber erst in die Knie, wenn die deutschen Ärzte aufhören mitzuspielen. Die sind aber erstaunlich leidensfähig.
    Leider.

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