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Nötigung in der Manipulation öffentlicher Meinung

04.03.2013

Wenn mal wieder irgendwo gestreikt wird, findet sich bestimmt eine Reporter unserer staatlich rechtlichen Medien, der eine Umfrage unter den Betroffenen durchführt. In der Regel zeigen dann die Betroffenen mit einem Mikrofon vor der Nase und einer streng auf sie gerichteten Kamera ein breites Verständnis für die manchmal exorbitanten Gehaltsforderungen. Beim letzten Streik, der zu massiven Ausfällen von gebuchten Flügen in die Urlaubsgebiete führte, äußerte eine Betroffene fast entschuldigend, dass sie vielleicht nicht ganz so euphorisch wie die anderen den Streik begrüßen würde, weil schließlich sei dies der erste Urlaub mit ihrem Mann seit neun Jahren.

Diese Umfragen, obwohl als repräsentativ dargestellt, entbehren natürlich jeglicher statistischen Relevanz. Selbst wenn man wohlwollend annimmt, dass von den Redakteuren keine Auswahl der Antworten getroffen wurde, erlaubt eine Stichprobe von maximal 5 Befragten keinesfalls eine statistisch belastbare Aussage über die Meinung aller Betroffener.

Aber schlimmer noch. In einer Studie, konnten Peter DeScioli und Robert Kurzban zeigen, dass die Beurteilung anderer Menschen ganz stark davon abhängt, ob die getroffene Entscheidung öffentlich gemacht wird oder nicht. Ganz konkret gaben die beiden Forscher einer Kontrollgruppe die Aufgabe andere Menschen in ihrer Umgebung zu bewerten. Wenn sie diese Bewertung anonym vornehmen konnten, so kamen ganz unterschiedliche Bewertungen heraus, während in dem Falle, wo die Bewertung nicht anonym erfolgte, kaum Bewertungsunterschiede gemacht wurden. Offensichtlich hat der Mensch eine innewohnende Angst, es sich mit dem einen oder anderen zu verderben. Insofern ist die wohlwollende Beurteilung eines Streikes vor laufender Kamera nicht verwunderlich. Im Gegenteil man muss solche Befragungen schon als Nötigung betrachten, und die öffentliche Auswertung solcher Produkte der Nötigung ist Demagogie.

Warum erfolgt eigentlich keine Befragung von Patienten zu Ärztestreiks? Warum dagegen dürfen sich Befragte öffentlich zur Arztkorruption äußern?

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