Archive for the ‘KBV’ Category

Entlassungsrezepte durch den Krankenhausarzt – Wo ist das Problem?

27.09.2017

rezepte_hinweise

Im Versorgungsstärkungsgesetz (Was für ein blumiger Name! Ich frage mich ob ich der Einzige bin, dem auffällt das die eupemistischen Namen der Gesetze immer mehr der Nazipropaganda ähneln. Aber das nur am Rande.) wurde festgelegt, dass Klinikärzte auch Rezepte ausstellen dürfen. Danach gab es große Diskussionen.

Die sogenannte Selbstverwaltungsebene (Auch so ein schöner Euphemismus der eine Interessenvertretung suggerieren soll.) sträubte sich dagegen. Angeblich würde den ambulanten Ärzten damit Arbeit weggenommen. Deshalb bestanden sie auch auf der Regelung, dass diese Rezepte nur die Kleinstmengen enthalten dürfen und innerhalb von 3 Wochen nach dem stationären Aufenthalt eingelöst werden müssen.

Was soll dieses ganze Theater? Sind die ambulanten Ärzte wirklich so darauf erpicht Rezepte auszustellen. Ich denke eher nicht, denn sie werden ja im Unterschied zu Krankenhausärzte für ihre Rezepte bestraft. Man könnte meinen, sie sollten eher froh sein, wenn die Krankenhausärzte ein wenig das Budget entlasten. Sind sie wahrscheinlich auch. Zumindest größtenteils. Was hier veranstaltet wird ist nur ein Schmierenkomödie für die Verblödung der Öffentlichkeit.

Es soll ein Konflikt zwischen Krankenhaus und ambulanten Ärzten heraufbeschworen werden, der so eigentlich gar nicht existiert und auch nicht existieren sollte. Im Interesse der umfassenden und reibungslosen Versorgung der Patienten sollte eine vernünftige Politik eher die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich eine enge Zusammenarbeit zwischen Klinik und Ambulanz entwickelt. Stattdessen werden die Lakaien der Politik in die Arena geschickt einen Konflikt vorzuspielen und anzuheizen, der alle kräftig entzweit. Frei nach dem universellen Prinzip der Machtausübung: Teile und Herrsche?

Das eigentliche Problem ist die politisch gewollte Umverteilung von Ressourcen aus dem Gesundheitswesen in solche Bereiche, wo höhere Profite gemacht werden können. Um davon abzulenken wird dieser Prozess von den professionellen Interessenvertretern der Ärzte als ein Konflikt bei der Ressourcenverteilung zwischen stationärem und ambulantem Bereich vorgestellt. Dazu bilden solche Scheingefechten wie um die Entlassungsrezepte einen willkommenen Anlass.

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Evidenzbasierte Blutzuckermessung

19.06.2013

Eine kürzliche in San Francisco vorgestellten Studie konnte zeigen, dass Blutzuckerselbstmessung langfristig die Diabeteseinstellung verbessert. Das wundert eigentlich niemand. Im Gegenteil, dass lässt sich für jeden schon mit simpelster Logik herleiten. Der gesunde Körper misst laufend den Blutzucker und passt entsprechend die Insulindosis an. Je näher man den Patienten mit künstlichen Mitteln an diesen gesunden Normalzustand bringt, desto besser. Dennoch in unserer von Irrationalität, man könnte auch sagen Dummheit, beherrschten Welt muss eine evidenzbasierte Studie her, die das auch wirklich belegt. Erst dann ist es den administrativen Stellen tatsächlich möglich auch die Kosten zu bezahlen.

Wem es tatsächlich logisch erscheint, dass man einen medizinisch völlig plausiblen Sachverhalt evidenzbasiert nachweisen muss, bevor man ihm Gesetzeskraft verleiht, der wir mir bestimmt auch erklären können, warum es auf der anderen Seite keine evidenzbasierte Studie dazu gibt, dass die Blutzuckereinstellung bei denjenigen Patienten und Praxen am besten läuft, wo die Messgeräte entsprechend den gesetzlichen Vorgaben zB. regelmäßig in einem Ringversuch geprüft werden. Plausibel ist das nicht, denn der Diabetiker benötigt nur eine ungefähre Vorstellung, ob sein Blutzucker hoch oder niedrig ist um entsprechend zu reagieren. Ein paar Prozent Abweichung nach oben oder unten spielt da kaum eine Rolle.  Aber Logik zählt wie immer in der Politik nicht und evidenzbasierte Medizin in solchen Fällen offensichtlich auch nicht. Also Willkür?

Ich erinnere mich an eine Diabetes-Fortbildung, wo uns so ein dicker Laborarzt, anhand schöner Kurven erklärte wie schrecklich doch nach einiger Zeit die Messwerte von Blutzuckermessgeräten von dem tatsächlichen Laborwert abweichen. Diese Untersuchungen mögen durchaus stimmen, nur den Beweis, dass sich dies auch auf die Diabetesbehandlung oder besser noch auf das Überleben und die Lebensqualität der Patienten auswirkt, diesen Beweis blieb uns der Kollege Laborarzt schuldig. Mit diesen Diagrammen tourten die Laborärzte durchs Land und überzeugten die regulationsversessenen Politiker. Es wurde strenge Regeln der Qualitätskontrolle eingeführt.

Sicher es ging um viel Geld. Die Laborärzte konnten über diesen Hebel die Laborleistungen monopolisieren. Ich kenne mindestens zwei Kollegen, die sicherlich ein ausgezeichnetes Labor betrieben hatten, aber denen die Laborärzte mit solcher staatlichen Macht das Labor kaput machen konnten.

Daran musste ich denken als nun ein Schreiben unseres Labors auf meinen Tisch flatterte in dem die Laborärzte um Solidarität und Unterstützung baten. Hier kann ich nur das wiederholen, was ich schon bei der Transplantation bemerkt habe. In einer autokrativen Gesellschaft entsolidarisieren sich die Mitglieder. Weil sie größere Vorteile darin sehen sich bei der Administration einzuschmeicheln, werden die Partner und Kollegen vergessen oder sogar mit den Ellenbogen ausmanövriert. Genau das haben die Laborkollegen nämlich seit Jahren getan. Die Einsicht, dass sie vielleicht doch auch ihre Kollegen brauchen könnten, kommt zu spät.

Ärztetag verabschieded Entschluss zur Korruption

30.05.2013

In derm Entschluss heißt es ua.

Der 116. Deutsche Ärztetag in Hannover fordert die Bundesregierung auf, keinen generellen Korruptionsstraftatbestand ausschließlich für Ärzte zu schaffen. Sollten strafrechtliche Regelungen eingeführt werden, müssen diese für alle Beteiligten im Gesundheitswesen gleichermaßen gelten, also auch für die Hersteller von Arzneimitteln und Medizinprodukten sowie für Krankenkassenvertreter.

Und was ist mit Gesundheitspolitikern? Die Abgeordneten in den Gesundheitsausschüssen (wie der Herr mit der Fliege zB.), die Mitarbeiter in den Gesundheits- und Sozialministerien, und nicht zu vergessen die KV-Funktionäre, und was ist mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA). Da ist doch die wirkliche Musik drin.

Es gibt doch kaum noch einen Beschluss des GBA, der nicht erkennen lässt, dass sich nur wieder  irgendwelche Partikularinteressen durchgesetzt haben.